Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

057 Wenn´s wenigstens November gewesen wäre. Dann hätte man das Ganze noch unter „Melancholie/Nebel-auf-der Seine/existenzialistische Weltschmerzseinskrise“ verbuchen können. Aber diese verdammte April-Fröhlichkeit, in die der Mai bereits reinschmeckt. Nicht auszuhalten, Paris im Mai! Ja, geht´s noch?!
Ich verstehe Sie sehr gut, das ist wirklich mehr als gewöhnlich. Ich sage nur: Peter Alexander. Graf Bobby und so, weiß man ja Bescheid.

Da dachte ich immer London sei die schönste Stadt und komme mir dann plötzlich selber auf die Schliche, dass London selber jetzt eigentlich trotz Nebel gar nicht so schön ist, sondern dass ich nur die Engländer, das, was ich dort erlebt habe und ACHTUNG, JETZT KOMMT´S, den englischen Humor so mag.
Mit Paris verhält es sich genau umgekehrt:
Paris ist eine Stadt zum Niederknien, zum sich verlieren drin. Aber leider, ja, die Franzosen, die in Paris so, ja, wie soll man das jetzt sagen?
Könnte ich Ihnen Geschichten erzählen! Kämpfe mit arroganten Kellnern um einen vertraglich angekündigten Joghurt waren da noch das Mindeste.

Manchmal gibt es Tage, da kann ich nicht normal geradeaus gehen, sondern nur in Purzelbäumen. So ungefähr hat das Franziska von Reventlow einmal ausgedrückt und so ist es mir im April in Paris gegangen.
Deshalb musste ich auch Schnauferl fahren, sonst wäre an ein Fortkommen gar nicht zu denken gewesen.

 

Le cimetierè du Père-Lachaise: Der größte Friedhof von Paris, da hat´s wirklich eine ungeheure Promi-Dichte. Um sich leichter orientieren zu können beim Grab-Sightseeing kann man sich beim benachbarten Friedhofsgärtner sogar eine Karte kaufen. Man kann aber auch einfach immer da hingehen, wo viele Menschen rumstehen, da ist dann meistens was geboten.   109110   Nur das Grab von Oscar Wilde finde ich mittlerweile. (Haben Sie natürlich eh gwusst, dass der Ire war und kein Engländer.) Sein Grabstein, eine männliche Sphinx, war diesmal übersäht mit roten Lippenstiftknutschern und ein Teil des Penis der Figur war auch abgeschlagen. Deshalb wohl der Versuch, es mit Plexiglas zu schützen, not amusing.       073074 Ist die erste als Park angelegte Begräbnisstätte der Welt, 066   hier gibt es weinende Frauen, 075 jemand, der seine kleine Schwester nie vergisst,   081 und viele, viele, viele, viele Türen 076   082088089   092 (Familie Kleingroß! Brüller!) 098 (schnörkelige Tür) 100 (humorlose Tür)

 

 

DAS MAGISCHE BERMUDADREIECK:
Creperie/Sephora/NafNaf

Hier bin ich gerne und oft verschollen.
Thema Crepes: Das muss man sich mal vorstellen, da gehe ich jahrelang durchs Leben als passionierter Pfannkuchenesser. Engstirnig und hochnäsig, wie der Teigbatzen auszusehen hat: gewaltiger Durchmesser (Minimum 1 cm), mit Apfelstückchen OHNE Rosinen und NUR süß darf er sein.
Wie wurde ich auf meine alten Tage eines Besseren belehrt! Hat man je etwas Köstlicheres als einen Käse Crepe gegessen? Mon Pfannkuchen-dieu! Die geizen da wirklich nicht mit Emmentaler, hoho, Non Non Monsieur, da wird aber ordentlich Käseberg aufgehäuft, der Teig dann zusammenklappt und wenn dann das ganze in der Pfanne schmilzt, der Käse am Rand rausquillt und in einer goldgelben Kruste verschmilzt, ja sacre bleu. (Bei Pfannkuchen Suppe fahre ich trotzdem strikte „NO-GO-Policy“, auch wenn sie als Frettaten Suppe daherkommt.)   061

 

Überhaupt Paris bei Nacht. Die Pariser sind ja ganz groß im Beleuchten. Der Eiffelturm, Sacré Coeur, Pont Alexandre, die Champs Elysées, Mac Donalds, alles noch mal so schön. Ich hänge meinen Gedanken nach und HE! Da reißt´s mich und ich fall fast vom Sitz, OH MEIN GOTT! Da fahr ich doch an dem verdammt noch mal absolut Schönsten vorbei, was ich in ganz Paris gesehen habe!  LA PALAIS GARNIER – die PARISER OPER     130132133   143157140 Eine private Loge in der Oper zu haben, war Ende des 19. Jahrhunderts DAS Ding in der feinen Pariser Gesellschaft. Den Vorstellungen haben die gar nicht richtig zugehört, das war eher Hintergrundmusik, wie Radio. Die Familien haben sich laut unterhalten und Gäste (ohne eigene Loge) empfangen. Da ist ein Gutti aus der Tüte ramschen nicht ins Gewicht gefallen. Aber man kann das gewiss nicht mit heute vergleichen, der Grundlärmpegel war ja ein anderer.
Loge Nr. 5 ist übrigens immer noch für das Phantom reserviert.
Ich betrete ehrfürchtig eine der geheimnisvollen Logen und WÄM! Ich weiß gar nicht, wie mir geschieht, schießen mir Tränen in die Augen. Die Schönheit und poetische Magie dieses Ortes ist kaum auszuhalten.
Der dunkle Aufführungsraum, glänzendes Gold, funkelnde Kronleuchter, die Atmosphäre. An der Decke ein Chagall Gemälde. Auch das noch! Jetzt fehlt nur noch ein Käse Crepe und ich bin im Himmel. Dass sie sich das getraut haben, wo alles so golden und kostbar ist, dann so ein buntes Kinderbild an die Decke. 145146148   154160152

Das ist der Blick, den die feinen Leute aus der Oper raus hatten, wenn sie in der Pause auf dem kleinen Balkon standen.161

 

Notre Dames, die Tuilerien, zwei Frauen im Park125,     Sartres Cafe Flore mit einem Kellner, der den Menschen, auch wenn sie nur in der Schule Französisch hatten, ihre Würde lässt, das Petit Palais und die Weltausstellung von 1900, aus den Tuilerien mit einer Trillerpfeife vertrieben werden, Käsebrote für 35 Euro im Quartier latin, 122 Dachgärten und eine alte Dame, die sich im Cafe sorgfältig ihre Lippen mit Handschuhhänden und einem pinken Yves Saint Laurent-Lippenstift nachzieht,  Crepe, Crêpes, immer wieder Crepes, die Champs-Elysées und Louis Vuitton, der sein Schaufenster wie eine riesige Pralinenschachtel dekoriert hat, klitzekleine Bistrostühlchen, (aber der Wohnraum ist in Paris auch unbezahlbar und die Franzosen können es sich gar nicht leisten, größer zu sein, aber was macht dann Gerard Depardieu, kochend heißes Duschen nach nächtelangen Vespafahrten, apropos, warum fahren die hier wie eine gesengte Sau (übersetz das mal ins Französische) wechseln Spuren, wie sie grad lustig sind und trotzdem flutscht das Chaos?

 

Die Angst, dass mir die Kamera aus der Hand rutscht, die Oberschenkel anspannen, damit ich nicht freihändig vom Sitz falle, Streit inklusive, weil er Wettrennen fahren muss mit dem schwarzen Wagen neben mir und ich so die linke Schaufensterseite nicht filmen kann, der Gedanke beim Lady Di-Tunnel, dieser Chauffeur, alles, was er zu tun hatte, war die Frau sicher nach Hause zu bringen, da fällt das Vorderlicht der Vespa aus und ich höre mit dem Denken auf,

und schließe die Augen und rieche den Frühling.

128(Paris ist wirklich wie Crème Brulée-Kruste knacken. Dafür kann ich auch nichts. ) 156amelie_still02

Advertisements