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Meinen Kater Herr Lehmann habe ich nach Sven Regeners Erstlingswerk benannt. So stehe ich zu Sven Regener, dem bringe ich grundsätzliche Heldenverehrung entgegen, dass das mal klar ist.
Lehmi war damals erst ein paar zerquetschte Monate alt und fairerweise muss man sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wissen konnte, ob er seinem Namen gerecht werden würde. Niemand konnte wissen, dass er sich zu dieser verfressenen, liebenswerten Wurst entwickelt.
Genau so wenig darf man Bücher vorab mit Erwartungen überfrachten, so wie mir das mit Sven Regners aktuellem Buch „Magical mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt“ passiert ist.

Eine gute Freundin hatte bereits beim „kleinen Bruder“ angefangen zu schwächeln. Beinahe schon schuldbewusst druckste sie herum, als ich sie damals zu ihrer Meinung dazu befragte. Hey, schließlich war es ein Buch von Sven, von unserem „weißes-Papier“-Sven, der ist eigentlich unantastbar.

Gekauft habe ich mir „Magical mystery“ natürlich sofort – und gelesen –  und hm.
Man muss die negativen Kritiken wirklich suchen, insgesamt scheint das Gros der Kritiker und Leser extrem begeistert.
Elke Heidenreich findet Sven Regener sogar noch nie so gut wie in diesem Buch! Geradezu herzzerreißend schön! (Die muss es schließlich wissen! Die kennt sich aus mit Büchern! Die hatte doch sogar mal eine Sendung im Fernsehen darüber! Wo ist die eigentlich?!)

Was ich mir denke ist, sind das jetzt die gleichen Menschen, die auch Herrn Lehmann mochten?  Aber wenn die den auch gut fanden und DAS jetzt auch?
Es wird an mir liegen. Vielleicht täusche ich mich ja doch. Und das Buch ist NICHT langweilig, NICHT bemüht, die Figuren sind NICHT substanzlos und eindimensional.
Ich bin sehr befangen, eben weils der Sven ist.

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Deshalb lasse ich jetzt mal schön jemand anders die Drecksarbeit machen.

http://fm4.orf.at/stories/1725082/

http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-114359170.html

Ich habe es jetzt so oft gehört: „Du, er kopiert echte Dialoge, Du das ist, das ist soo toll.“

Authentisches Gerede von der Straße. 500 Seiten überwiegend Laber-Flash und innerer Monolog. Ja, das stimmt wohl und es stimmt auch, dass Sven Regener immer Säle füllen wird, eben weil er der Sven ist. Weil man ihm gern zuhört, wenn er liest, weil er das kann. Auch wenn es immer und ewig das Gleiche ist.
(Wenn Familientreffen ist und mein Bruder erzählt mir irgendeine Geschichte zum hundertsten Mal hör ich schließlich auch gerne zu.)

Nein, ich trau mich einfach nicht, ihn zu kritisieren.
Ich zitiere lieber noch mal feige:

Auszug einer Amazon-Kritik:
„Selbst das Lehmann-Sequel-Prequel „Der kleine Bruder“ hatte irgendwie noch mehr zu bieten. Hier eine Aneinanderreihung von bemühten Laber-Flashs.

Unnötige Redundanzen machen die Lektüre ab Seite 141 auch noch zur Schlaftablette. Man ärgert sich wirklich, dass man doch noch auf den Lehmann-Hype reingefallen ist.“

Derjenige der es hier wagt Sven Regener zu kritisieren, wird danach systematisch von allen anderen zerlegt. Man unterstellt ihm gar, „nur neidisch zu sein, weil man ja schon an der Art wie die Kritik verfasst sei, sehen könne, dass Mister Kritiker letztlich ja nur versuche so zu schreiben wie der Sven.“

Ich ärgere mich nicht, das Buch gekauft zu haben. Wenn mein Bruder ein Buch geschrieben hätte, dann würde ich mir das schließlich auch kaufen.

Auszug Amazon-Kritik 2:

„Der erste Lehmann war spitze, Neue Vahr Süd war lang aber unterhaltsam,
der kleine Bruder wirkte schon leicht abgedroschen, aber Herr Schmidt, ne, hat
mir nicht gefallen. Die Idee nicht besonders innovativ und auch nicht neu, die
Dialoge,  Schade. Hätte man mehr daraus machen
können. Vielleicht ist man diese ewigen Geschichten über pfiffige Verlierer auch
irgendwie leid.“

Vielleicht ist es dieses ach-so-coole-dahinschnoddern dessen ich überdrüssig bin, dieses labern ohne erkennbare Substanz. Eine Substanz, die zu erkennen zumindest mir verwehrt bleibt. Vielleicht bin ich aber auch einfach nicht der Typ Leser, der ohne wirkliche Handlung klarkommt.

Ich wollte dieses Buch wirklich lieben. Aber Liebe lässt sich nicht erzwingen.
Und ich finde, bei Büchern hört der Spaß auf, da darf man nicht lügen. Nicht dass man sonst lügen sollte, dass sich die Balken biegen, aber da hört es definitiv auf.
Da kann ich nicht so tun, als ob ich etwas gut finde.
Auch wenn´s der Sven ist.

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