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Auf einer Wiese in Kalifornien liegt eine Kuh und starrt einen Mann an der Bob Carey heißt.

Bob Carey ist von durchschnittlicher Größe und Eigentümer eines behaarten Bierbauches.
Ach ja, und er trägt nichts außer einem rosa Tutu.
Kann man nicht sagen, was die Kuh gedacht hat, als da plötzlich diese Amateur Ballerina auf der Wiese in Kalifornien vor ihr stand.
Man weiß viel zu wenig über kalifornische Kühe, um das beurteilen zu können.
Aber ich finde schon, dass sie interessiert wirkt.
So wie die Kuh werden Bob Carey bestimmt auch viele Menschen angesehen haben.

Als er z.B. im Tutu unter Palmen gesessen

oder am Times Square spazieren gegangen ist.

Als er sich von einem Baum hängen ließ

oder auf einer verschneiten Straße in der 3. Position herumgetänzelt ist.

Diese Fotografien sind Teil seines „Tutu-Projekts“ und weil Bob Carey Amerikaner ist, ist es genau genommen auch kein Projekt, sondern ein „project“. Aber das ist ziemlich egal, weil seine Bilder in jeder Sprache wunderbar anzusehen sind.

Als bei seiner Frau Linda vor ca. 10 Jahren Brustkrebs diagnostiziert wurde, hat er sich das Tutu zum ersten Mal angezogen. Er fotografiert sich damit, um sie aufzumuntern. Und als sie das Bild sieht, lacht sie Tränen. Weil er ja keine Elfe ist, sondern eher der Typ Lastwagenfahrer. Und plötzlich lachen auch die anderen Frauen auf der Krebsstation, die das Bild sehen.
Und das Tutu Project beginnt. Bob Carey macht immer mehr Fotos: im Grand Canyon, auf der Golden Gate Bridge, in einem Kornfeld.

Nach einem halben Jahr ist der Krebs wieder da und sie kämpfen weiter.
Bob Carey sagt, dass, so komisch sich das auch anhöre, sie erst durch Lindas Krebserkrankung gelernt hätten, wie schön das Leben sei. Schön und manchmal eben auch beinahe unerträglich.
Manchmal sei das Einzige, was man noch tun könne, über sich selbst zu lachen.
Und dieses Lachen mit anderen zu teilen.

Dinge, die aus dem Kontext gerissen werden.
Einmal in der Kunsthochschule gehe ich im 3. Stock über den Gang im Flur. Auf einmal höre ich Bachplätschern. An einer Stelle im Fußboden ist der Beton aufgebrochen und darunter steht ein Wassereimer.
Das Bachplätschern kam von einer CD, das ganze war eine Installation.
Irgendwie ist nach so einem Erlebnis für kurze Zeit alles möglich, na ja, zumindest mehr.

Wie wenn einem jemand in der überfüllten S-Bahn, über die griesgrämigen Gesichter hinweg, zuzwinkert. Oder ein Zahnarzt zugibt, dass er nichts zu bohren findet. Oder Du mit behutsamer Stimme, mitten in einem Streit –
Dinge, die man an einer bestimmten Stelle nicht erwartet. 
Irgendwie ist das, wie neu die Augen aufmachen.

Der Kalender von Bob Carey ist eine Punktlandung.
Die Idee. Die Umsetzung. Die Aussage.
Eine Hommage an die Liebe, an die Kunst und auch an das Anders-sein-dürfen.
2012 wurde die Carey Foundation gegründet, der Erlös aus diesem Kalenderverkauf unterstützt Frauen die an Brustkrebs erkrankt sind und Ihre Angehörigen.

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