Schlagwörter

, , , , , , , , ,

Na, is scho klar, Du bist dann moi weg Maxi, oder? Einfach amoi a so sterbn, oda? Gaanz super Maxi. Sag amoi, wia staisd da Du des jetzt eigentlich vor wia des geh soi? Du bist scho echt witzig, des muass i da fei jetzt scho amoi sogn!

Das würde ich Dir ins Gesicht schreien, wenn Du jetzt da wärst. Genau diese Worte.
Und dann würden wir uns bepissen vor Lachen.

Heute war wieder so ein Moment.
Als ich Deine Telefonnummer gefunden und überlegt hab, ob ich die jetzt löschen soll. Und das dann natürlich nicht gemacht habe, ganz so, als ob ich Dich irgendwann doch noch einmal anrufen könnte.
Ja um Himmelwillen, was mach ich denn dann, wenn ich Deine Nummer nicht mehr hab! Weil Du ja vielleicht doch bloß einmal um die Welt gereist bist und in 20 Jahren wieder da bist. Weil die Verbindungen ganz einfach schlecht sind. Weil Du vielleicht nur hinter einer Wand aus Milchglas sitzt und mich siehst, aber ich kann Dich grad nicht sehen. Weil der Nebel zu dick ist.
Alles ganz vernünftige Gedanken, genau wie die von dem Freund, dessen Oma gestorben ist und der ihr Handy geerbt hat. Und der sagt, ihre Mailboxansage sei das Einzige, was ihm von ihr geblieben sei. Deshalb hört man immer, wenn man ihn anruft die Stimme einer 85 jährigen Frau knarzen „Bitte sprechen sie nach dem Pfeifton.“

007

Ich krame in meinem Gedächtnis nach allen Erinnerungen, die ich an Dich habe, weil sie ein Schatz sein werden.

MAXI, 29 Jahre

1. Dein Lachen
Eine fiese Lache hattest Du ja schon, mein lieber Herr Gesangsverein. Lautes Kichern, ein bisschen Prusten, fast wie ein Husten. Du hast so gscherd sei kenna. Und dann im nächsten Moment warst Du wieder liab wie ein kleiner Bub. Du hast echt fui rumgeschrien in Deinem Leben Maxi. Aber des warst a Du und man hat Dich deswegen auch immer blöd anreden können und es hatte stets einen hohen Unterhaltungswert.

2. Deine Augen
S
trahlende Sterndlaugen, wie ein heller Bergbach so klar. Ja, zammreißen, weiß schon. Du wärst bestimmt der Erste, der mich strafend angesehen hätte, wenn ich jetzt einen Kübel Schmalz über Deinen Namen gekippt hätte. Aber, Entschuldigung, an diesem Punkt kann ich nichts dafür. Sterndlaugen, das stimmt halt nun mal.

3. Deine Gesten/Dein Auftreten
Ganz der Wittelsbacher Spross, natürlicher Landadel, warmherzig, höflich.
Wenn ich Dich gesehen hab, war es immer schön. Egal wer da war, mit dir war es immer schön. Ich glaube, das hab ich Dir nie gesagt. Ich hoff, Du hast das gwusst. Und wenn nicht, dann weißt Du es jetzt. Und man kann das jetzt auch ruhig ganz offiziell sagen:
Maxi, Du warst eine coole Sau. (Und ich hör Dich in mein Ohr brüllen: Na, eh klar Liesl! Wos´n sonst?!)

4. Deine Stimme
Deutlich akzentuiert. Eine mittlere Tonlage, ins Dunkle changierend. Ein ganz feines, altes Bayrisch.

5. Dein Ballon
Du hast mir damals ein Bild gezeichnet und erklärt, dass es nur von mir selbst abhängt. Dass nur ich entscheide, wen ich in meinen Ballon reinlasse und wer draußen bleiben muss. Und dass ich deshalb immer sicher bin.
Ich habe das geübt, und als wir uns das letzte Mal in diesem Leben gesehen haben, habe ich Dir die Zeichnung in meinem Timeplaner gezeigt und gesagt, dass ich das immer noch übe und da hast Du genickt.

Du hast mich immer Lumpen-Liesl genannt. Wie Pumuckl hast Du das laut gekräht, egal wo wir gewesen sind. Wie du mich noch genannt hast, kann ich hier nicht sagen, weil es einer Deiner typischen Schweinsbraten Wörter war, versaut und zotig und lustig. Weil Du Dich immer ein bissl geweidet hast, an dem Verbotenen, den leichten Schock in den Augen der anderen.
Lumpen-Liesl.
Nein, die werd ich jetzt nicht mehr sein, für niemand. Und ich sitze da und versuche den Namen zu sagen wie Du. Und ich hör Dich an meinem Ohr leise kichern, weil ich das nicht hinbekomme.

Du bist gestorben, bevor wir genug Spaß haben konnten.
Lachen, dass einem die Cola aus der Nase rinnt und reden von den Ängsten, die man immer schon in sich trug, so ein Mensch warst Du.
Wenn man gewusst hätte, das es das letzte Mal ist, dass man sich sieht, was hätte man dann gesagt?
Schön, dass Du da warst. Dua fei aufpassen, Bub.“ Irgend so einen Schmarrn.
Lumpen-Liesl.
Du bist so nah, so präsent. Und ich hab Angst, dass das irgendwann weg ist.
Wir hatten das gleiche schreckliche Geheimnis:
Wir mochten „Funkelsternenaugen“ von Pur. Zumindest das sollte uns über den Tod hinaus verbinden.
Du siehst mich an mit Deinen Funkelsternenaugen, das tut so guut, da ist soo viel für mich drin. Halt mich, halt mich fest und drück mich, so fest wie Du kannst. Lass mich nie wieder los.
Hast loslassen müssen.
Und als Du dann krank geworden bist, so krank, bis auch ich es endlich gemerkt hab, bist Du schon ganz dünn gewesen.
Aber unverschämt bist Du immer noch gewesen und hast die Schwestern schikaniert.
So golden warst Du,
hast ausgesehen wie der Sonnenkönig.

Wenn dies unsere Feier ist, dann hören wir uns das jetzt als Erstes an:

Jetzt bist Du tot und daran wird kein Gedicht, kein Lied und kein Witz mehr etwas ändern. Du bist tot und heute nehme ich Abschied von Dir. Und ich muss Dein Grab sehen, um das alles zu begreifen.

Und wenn das wirklich unsere Feier ist, dann tanzen wir jetzt:

SyntekExifImageTitle

SyntekExifImageTitle

Von wegen, der König tanzt nicht mehr, ha!
Du hast einen feinen Leinenanzug an und ich eine bodenlanges Kleid und einen BH der wirklich hält.
Weil, na bitte, ein bissl aufbrezeln möcht schon sein.

Mach´s guad Maxi.

Dei LL (G.V.)

Advertisements