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Alle naslang gibt es ja dieses unerhörte Gekreische und Gewese (wir Bayern sagen dazu auch „Hype“) um bestimmte Bücher.
Die ganze Welt vergräbt dann monatelang ihre Nase zwischen den Buchdeckeln von „Shades of grey“ und „Twilight“.
(Oder gibt es naseweis zumindest vor.)

Ob die Omnipräsenz einzelner Bücher von Verlagshäusern instigiert wird oder auf tatsächliche Verkaufszahlen zurückzuführen ist, kann ich nicht sagen. Ich kann´s wirklich nicht, aber ich bin da dran.
Ich trenze immer ein bissl unwillig rum, wenn jemand mit mir über die bodenlose Qualitätslosigkeit dieser Hype-Bücher reden will. (Oder mir wahlweise einen Vortrag hält.)

(Das kann auch wirklich niemand wissen, dass ich da Achselnässe bekomme.
Wenn jemand gesprächstechnisch seine Erich Böhme-Brille halbmast auf der Nase baumeln lässt und mich mit Elke Heidenreich-Überheblichkeit belehrt, was Literatur schließlich ist, was Literatur sein muss. Liter-a-tuuur. Und was ja mal überhaupt gar nicht geht. In der Literatuur.

Die selbst ernannten Intellektuellen, die sich lustig machen über Menschen, die sich über ihre Kleidung oder ihre Figur definieren, aber zur gleichen Zeit stinkintolerant ihren literarischen Maschendraht ziehen und Daseinsberechtigung nur denen gewähren, die Niveau haben.
Und was Niveau hat, das sagen sie Dir dann schon, das kannst abwarten.)

Aber ich verschwende wertvolle Zeit mit Pillepalle.
Die Panem Bücher.

Heilige Scheiße aber auch.

Ich habe sie jetzt alle drei im Original gelesen, bin so gut wie fertig mit Band 3.
Saß da und las. Eine Textstelle im 1. Teil ist so rührend, dass mir Tränen in die Augen schießen. Ich senke das Buch, reibe meine Augen und schreie meinen Kater an:

„Heilige Scheiße, das ist aber schon verdammt gut geschrieben!“

Kater flitzt davon, ignorantes Erdferkel.

Es gibt doch so Bücher.
Arbeiten gehen, Essen machen, aufs Klo gehen, all das empfindet man als lästige Nebensächlichkeit, weil man ansonsten nur eins will: Lesen.
Man liest, liest, liest, bis 4 Uhr morgens, weil man nicht anders kann und es gar nicht anders geht.
Das ist das Allergrößte und kommt gottseidank nicht allzu oft vor. Ein normales Leben wäre sonst ja gar nicht mehr zu organisieren.

Die „Hunger Games“ sind solche Bücher für mich gewesen.

Anfangs werden 12 „Tributes“ ausgelost, die in einer Arena um ihr Überleben kämpfen müssen. Zur Unterhaltung der reichen Gesellschaft, zur Mahnung und Sühne für eine vorangegangene Revolution. Der Plot in ein paar Worten.

Suzanne Collins webt viel in diese Handlung: Unterdrückung, Anpassung, Macht, Sehnsucht.
Wie Katniss Everdeen zuerst von den Capitol Leuten und später von den Rebellen für deren Zwecken missbraucht wird, der Gedanke ob es im Krieg überhaupt einen Unterschied zwischen den Seiten gibt, ob der Unterschied zwischen „Gut“ und „Böse“ sich nicht letztlich auflöst. Wenn man sich keine Moral mehr leisten kann, wenn es ums Fressen oder gefressen werden geht.
Welche Kraft Symbole für Menschen haben, für was es sich lohnt zu kämpfen, für was zu leben, Freiheit, Mut, Angst und auch Liebe. Liebe die unterschiedliche Gesichter haben kann.

Und das ist also ein Jugendbuch und ich bin angeblich ein Erwachsener.
Und kenne alle diese Gedanken. Und trotzdem. Sie hatte mich.

Ich bin ein Fan.
Sehr spannend geschrieben.

 

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