Schlagwörter

, , , , , , , , , ,

Mein Zug fährt durch die Nacht.

Ich sitze im geschlossenen Abteil.
Manchmal geht ein Zeitfenster auf.
Wenn es Zeit ist,
muss ich es schließen.

„Ich mach Himmel und Hölle“, sagt das Kind auf dem Platz neben mir
und faltet ein Stück Papier.

Ein Rucken erfasst den Zug.
Ich sehe aus dem Fenster in die Nacht,
wir fahren wieder.

Ich mache Augen und Fenster zu
und ergebe mich der dunklen Nacht,
die mich umgibt.

Grelle Lichter vorbeifahrender Autos.
So viel schneller als der Zug, in dem ich sitze.

Das Kind begreift von all dem nichts,
es plappert
und ich würde es gerne loswerden,
aber es klebt mir an den Hacken.
Manchmal hasse ich dieses Kind.

So bald ich mich aus dem Abteil schleichen will
um einen neuen Ort für mich zu finden,
taucht es auf
plappert.

Das Kind kommentiert alles:

„Jetzt falte ich das Papier“
„Das kann ich gut“
„Was ist das?“

Ich möchte ihm eine kleben, damit es endlich den Rand hält.
„Kinder soll man nicht hören und nicht sehen.“
Der Mann faltet einen Papierflieger für das Kind.

Ich wollte einen Einzelsitz.
Ich wäre viel schneller ohne dieses Kind.
Wäre längst auf einem Schiff oder würde in einem Flieger sitzen, der mich irgendwohin bringt.
Aber immer noch sitze ich in diesem verdammten Zug,

der nie irgendwo ankommt.

Advertisements