Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , ,

Das müssen Sie sich jetzt mal vorstellen:

spaziere ich in bräsiger Bierruhe mit Erbsgrün auf dem Kopf herum.
ERBSGRÜN!
Sie werden jetzt wahrscheinlich sagen, das sei so irrelevant, das brächte den Sack Reis in China noch nicht einmal annähernd in Schräglage.
Aber ich beschwöre Sie, stellen Sie sich doch bitte mal mein Gesicht vor um Himmels willen! Um Jahrzehnte gealtert!

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich mit der Analyse meines Farbtyps.
Zu diesem Zweck habe ich sämtliche Bibliotheken nach entsprechender Fachliteratur durchforstet. Wozu hat man schließlich seinen Büchereiausweis wenn nicht zum Zwecke der persönlichen Fortbildung.

Ich analysiere Hauttöne im Vorbeigehen.
Creme statt weiß für Dich, Rosa statt gelb für Dich.

Ich führe in Gedanken Gespräche, an Tuntenhaftigkeit nicht zu überbieten:

„Orange?! I don´t think so darling.“
Ich möchte meine Hand vertraulich auf Schultern legen und in Ohren raunen:
Pink, bei den Haaren? Da denken wir aber noch mal drüber nach, nicht wahr?“

Wir können wohl alle recht zuversichtlich sein, dass mir in absehbarer Zeit mal einer ordentlich eins auf die Nase geben wird, weil ich irgendwann vergessen werde, die Gespräche nur in meinem Kopf zu führen.

Aber ach, wie weit mein buntgescheckter Leidensweg doch in die Vergangenheit zurückreicht:

Als ich 16 war hatte ich Streit mit meiner besten Freundin, weil wir beide unbedingt Herbsttypen sein wollten.
Wir hatten „Herbsttyp-sein“ anscheinend mit etwas grandios fabelhaftem verbunden, Freiheit oder Irland oder Pumuckl oder was weiß ich.
Wir wetteiferten um den Posten des Chefherbsttypen, das es nur so eine Art hatte.
Argumente endeten meist mit dem Satz:

„… aber dafür bin ich mehr Herbsttyp als Du!!“
Irgendwann sind ihr dann die Argumente ausgegangen und sie hat sich die Haare kurzerhand kupferrot gefärbt.
Sieg nach Wasserstoffperoxid.
(Habe ich sie danach nur noch „Carotto“ genannt.)

Schon damals hat mich die Farbfrage austicken lassen.
Ich konnte mir ja stets jede Farbe schön reden, wenn ich das entsprechende Kleidungsstück nur unbedingt haben wollte.
Das ist auch eine Art Talent.
(Königin im Selbstbescheißen that´s me me me!)

Dann habe ich angefangen mir die Haare schwarz zu färben, wegen Audrey aus Twin Peaks.
Dachte mein halbes Leben, ich sei Winter, wollte jetzt bitteschön dann aber endlich auch mal ein ordentlicher Winter sein.
Zickte trotzdem immer mal wieder herbstlich rum (um nicht aus der Übung zu kommen.)
Hörte dann irgendwann auf meine Haare dunkelbraun zu färben, zog für 3 Stunden Frühling in Betracht und jetzt,
jetzt meine Damen und Herren,
jetzt weiß ich endlich, was ich bin.
Wo es doch eigentlich die ganze Zeit so klar war.
(Und Sie auch keinen Ton gesagt haben.)
Wo ich doch Sommer bin.
Also denke ich.
Ich will doch auch nur endlich irgendwo ankommen auf der Farbpalette!

(Farbberater wäre glaube ich eine echte berufliche Alternative für mich.
Ganz egal was ihre Esoterik Freunde Ihnen weismachen wollen, bei Feng-Shui muss man trotzdem auch dran glauben, dass das was bringt. Also 20 Euro in die Geldecke zu pinnen oder ein belebendes, fröhliches Windspiel an die Partnerschaftsdecke zu hängen.
Aber Farben ja, also die Wirkung von Farben, ich finde, das überzeugt das Auge doch sofort!)

Das Auge will natürlich geschult werden.

Mein Freund hält sich knallorange neben das Gesicht und sagt: „Passt.“

Er hält sich braun, rot und gaggerlgelb neben das Gesicht und sagt: „Passt.“

Ich glaube, er würde sich auch einen Apfelstrudel neben das Gesicht halten und die Farbe passend finden.

Und wissen Sie was, ich war wie er!


Vielleicht ist das eine Welt, in die in erster Linie Frauen Einlass finden.
(Vielleicht, weil auch nur die da wirklich rein wollen.)

Ich sitze also am Bibliotheksschalter, neben mir das Buch „Der Sommer“ von Eva-Maria Kuß und Peter Sedlmaier.
Die mittelblonde Dame neben mir giert nach dem Buch, also ziehe ich es schnell weg von ihr, als sie danach greifen will.

Kann man das hier auch ausleihen?
„Nö, ist meins.“

Sie blickt mir vertraulich in die rehbraunen Augen:
„Ich bin auch Sommer.“
Ich sehe in ihre azurblauen Augen mit Dotterflecken.

Das ist so ein Moment, so stelle ich mir die Anonymen Alkoholiker vor.
Ich sage mit stockender Stimme:

„Ich, ich dachte immer, ich sei Herbst.“
Da schlägt sie die Augen nieder und wispert kaum hörbar:
„Ich auch.“

Mehr müssen wir nicht sagen.
Wobei wir das dann natürlich doch noch machen, weil wir Frauen sind.
Ich weiß nicht wieso, aber ich könnte einfach stun-den-lang über dieses Thema reden, gottverdammt, ich könnte es.

(Nicht so, wie mein Arbeitskollege, den ich überredete sich neben den Plastikabfalleimer zu stellen.
– „Der rosa Abfalleimer, das bist so Du!!“ –
und der dann „A so a Schmarrn“ nuschelte, weil man mit Schwarz „nie was falsch machen kann“.)
Haha! The fool! Der Depp, God bless him.
Und „schlank macht´s doch a nu!
(Ha! Ha!)

Mein Kater hat Glück, gelbe Augen kann man gut zu schwarzen Haaren tragen, der Kater ist ein Winter.
Das Katzenmädchen ist insgesamt heller, Zimtaugen zu hellgrauem Puschelflauschfell, Frühlingstyp möchte ich meinen.
(Beide geben vor, das interessiere sie nicht. Aber die sind auch nur unsicher.
Und wissen sie was, ich war wie sie!)

Schwarz, es war nett mit dir, wirklich, aber wir haben uns auseinanderentwickelt.
Mit Dir seh ich aus wie ein gschbiems Huastenguadl.
Ich hab jetzt einen neuen und er hat auch einen Namen: Marineblau.
Jetzt trenz hier nicht rum, da vorne am Hauseck steht der letzte Grufti, wenn Du Dich beeilst erwischt ihn grad noch.

Ich bitte Sie aus statistischen und Seelenheilzwecken um die Beantwortung folgender Fragen:
(Bei mir sind ihre Antworten sicher, ich verwende Wörter wie „statistisch“ und „Seelenheil“, was wohl eindeutig beweist, dass ich seriös bin, was die ganze Farbenkiste angeht.)

010

1. Glauben Sie auch, ich bin ein Sommertyp? Oder eher Winter. Oder eher Apfelstrudel.

2. Welche Farbe tragen sie heute?

3. Glauben Sie, dass das, was sie heute anhaben, ihre Powerfarbe ist?

Ich habe dann mal noch ein paar Fotos angehängt.
Erst hatte ich nur zwidane Fotos, damit durch das Gegrinse nichts verfälscht wird, alles in Tateinheit mit Lila, was Sommer sein müsste. Aber jetzt halt doch noch Gegrinse, in Marineblau und Altrosa.
(Wir sagen dazu auch gerne „nude“. Merke, wir sagen „nude“, wir sagen nicht taupe“. Wobei wir Farbgschaftler es auch echt wahnsinnig lieben dieses Wort zu sagen und wer würde das nicht?  „Tooop“.)

006

Kreisch!
Ich lese gerade, man könne auch ein Mischtyp sein, also Winter/Sommer, Frühling/Herbst!
Womöglich auch noch Winter/Frühling?!
Aber dann ist Polen offen, das sage ich Ihnen.

Website Fotos 1Website Fotos 2website Fotos 3

Advertisements