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Bereits im hohen Kindesalter hatte ich den Vorteil eines Lebens, das mit Listen geführt wird, klar erkannt. Ich weiß es noch genau, es war einer dieser frischgewaschenen Maimorgen im letzten Jahrtausend als ich das Listenschreiben erfand. Zumindest kann es kein Montag gewesen sein, als etwas in mein Leben trat, in Größe lediglich vergleichbar mit der Fähigkeit beim Radl fahren bremsen zu können, ohne die Schuhe in den Boden zu rammen.

Das wichtigste ist, dass man es erst einmal alles aufschreibt: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Gut, mein Zimmer hat immer noch ausgesehen wie Sau und über dem rechten Auge meiner Mutter hat es gezuckt. Das Waschbecken war immer noch nicht geputzt und mein Radl lag hingerotzt vor der Garage.

Aber hey, ich konnte schreiben, war 9 Jahre alt und ich hatte eine Liste!

Meine Mutter meinte, man müsse die Sachen, die man aufschreibt, auch erledigen.

Little did she know. Ja, es war eine schwierige Zeit, in der ich ihr klarzumachen versuchte, dass es mir ums Zimmeraufräumen ja gar nicht ging, darum gings mir primär wirklich nicht. Ihr gings primär nur darum.

Man konnte mit Engelszungen auf diese Frau einreden, vergebens.  

„Listen without prejudice“ hieß das Album von George Michael. Das hat sie sich damals angehört und meine Theorie, daß es um ein Stückchen heile Welt ging einfach abgeblockt. Zu faul zum Aufräumen wurde mir unterstellt, dabei ging es mir doch mit meiner Liste um viel mehr! Um ein Stückchen Ordnung, um diesen einen Moment, in dem der Nebel sich lichtet. Und wenn es nur für den kurzen Moment einer selbstgeschaffenen Illusion ist, das das Leben planbar ist. Listen without prejudice, am Arsch!  

Auf Listen kann man visionieren, also auch Sachen aufschreiben, die man gerne hätte. Oder wie man gerne wäre. Oder wie es sein soll.  (Das nennen sie heute „Beim Universum bestellen“ und ich hab das schon mit 9 gemacht, ha!)

Da sammelt sich natürlich im Laufe der Jahre was an, Listentechnisch. Wenn ich heute eine Liste finde, dass ich den Käfig des mittlerweile verstorbenen Zwergkaninchens säubern muss, ist dies ein guter Moment. Ich fühle ich mich erleichtert, weil ich das schon erledigt habe und diesen Listenpunkt streichen kann.

Neulich habe ich wieder zwei Listen gefunden. Ich erinnere mich, elende Arbeitstage, alles erschien unfreundlich und bräsig. Ich wollte mir Sicherheit in diesem Gefühltohuwabohu schaffen. Eine Liste musste her. Ach was, zwei Listen! Man will doch wissenschaftlich überprüfbar sein. Ich habe also an zwei Tagen Statistik geführt am Rückgabe Schalter.

Kein einziger Blödi Strich.

Ok, ich bin oft abgebogen. „Ach was, so richtig unfreundlich war der war jetzt ja gar nicht, der war eher traurig. Und die hatte Kopfwehaugen. Und die da hat bestimmt ihre Tage.“ Und ausserdem, lasse ich mir meine Statistik nicht von jedem versauen, da könnte ja jeder kommen, da muss das Schicksal schon mehr auffahren!

Und mit diesen appellativen und von Herzen kommenden Worten möchte ich diesen Beitrag schließen:

„Lasst Euch nicht Eure Statistik versauen! Da könnte sonst wirklich jeder kommen.“

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