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Ganz klar erinnere ich mich an den Moment. Aus der Zeit gefallen, wird er immer bei mir bleiben: im Krankenhaus in Traunstein habe ich Dich zum ersten Mal auf dem Arm gehalten.

Ich wusste sofort, in welchem Buch ich nachschauen muss, ich hatte von diesem Gefühl schon einmal gelesen.

„Er stand da und sah mit Staunen ihre klaren Augen, ihren winzigen Mund, ihren dunklen Haarschopf und ihre hilflosen Hände, und er erschauerte vor Liebe.

„Du Kind, in diesen kleinen Händen hältst du schon jetzt mein Räuberherz“, sagte er. „Ich begreife es nicht, aber es ist so.“

Ronja Räubertochter.

Als ich heute das Buch wieder gesucht habe, fand ich die Zeilen sofort, ganz vorsichtig hatte ich sie damals mit Bleistift unterstrichen. (Vorsichtig, „weil ein Buch unser Freund ist“, „Reiß mir keine Blätter aus, sonst ist´s mit der Freundschaft raus!“)

Weißt Du, was ich mir damals überlegt habe? Wenn ich eine Fee aus Dornröschen wäre, (nicht die 13. die Spaßbremse, eher so im Mittelfeld, die 7. oder die 5.. Jaaa, o.k., also ich hab mich schon unter den ersten 3 gesehen) dann würde ich Dir die Liebe zu Büchern und zum Lesen schenken.

Und die Prinzessin hat gelesen. Die Augen leuchteten bei jedem neuen Buch, bis heute. Alle Harry Potters, die wilden Hühner, Tintenherz.

Erinnerst Du Dich noch an die Pippi Langstrumpf Aufführung im Kulturzentrum? Du warst ein kleiner Zwacker von 4 Jahren. Ich wollte das Stück selber sehen und Du warst mein Alibi. Es war ein Samstagnachmittag im Faschingsfebruar und hat stark geschneit. Du bist an meiner Hand gegangen und bist immer wieder über Deinen Indianer Kopfschmuck gestolpert, der doppelt so hoch und breit war wie Du selbst. Er hat dich umrahmt wie ein Heiligenschein.

Als Pippi die Kaffeetafel umwirft, johlen und brüllen alle Kinder vor Begeisterung. Ale bist auf eine. Eine kleine Squaw hat schreckgeweitete, besorgte Augen.
„Wos´n mit da Pippi?“
Und ein forderndes
„Auframma!“

Nein, ein ordentlicher Mensch findet solche Späße nicht lustig.
Wieder so ein Moment, eingebrannt.

(Die kleinen Hände in die Hüften gestemmt, skeptischer Blick. Mein Bildschirmschoner.)

Deine Augen, um die Du schon mit 16 Jahren einen perfekten Lidstrich ziehen konntest. Die Du dann, je älter Du geworden bist immer öfter mit hochgezogenen Augenbrauen umrahmt hast. (Cool halt. Glabsd aba a bloß Du, hahaha!)

Du hast so viel gelernt, Du kannst so viel. Spanisch zum Beispiel. Und beim ministrieren, da macht Dir so leicht keiner was vor.

Ich bin sehr stolz auf Dich und das meine ich ernst.

Natürlich habe ich Angst um Dich. Weil die Welt so groß ist, viel größer als Dein Federkranz. Aber ich weiß, wenn eine ihren Weg geht, dann Du, Du wirst tanzen.

Ich wünsche mir, dass Deine Augen die ganze Schönheit der Welt sehen, dass sie Wetterleuchten in allen Farben. Und dass sie weinen können, wenn es sein muss und danach wieder blitzeblank geputzt in diese Welt eintauchen, die jetzt ihnen gehört.

Weißt Du, was auf S. 236 steht?

„Früher Morgen ist es. Wie der erste Erdenmorgen so schön. Ringsum ist alle Herrlichkeit des Frühlings. In allen Bäumen und allen Wassern und allen grünen Büschen lebt es, es zwitschert und rauscht und summt und singt und plätschert, überall erklingt das frische, wilde Lied des Frühlings. „Erschrick nicht, Birk“, sagte Ronja. „Jetzt kommt mein Frühlingsschrei!“

Und sie schrie, gellend wie ein Vogel, es war ein Jubelschrei, den man weithin über den Wald hörte.

(Was für ein kluger, schöner Mensch sie doch geworden ist, brummelt Dumbledore in seinen weißen Bart. War ja auch abzusehen, bei der Tante.)

Alles Gute zum 18. Geburtstag liebe Marina. Alles erdenklich Gute.

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