An dem Tag, als es geschah, betrat ich frühmorgens ein Uhrgeschäft am Bahnhof.

Tag für Tag war ich an der Auslage vorbeispaziert und hatte die schmale, rechteckige Herrenuhr mit dem schwarzen Lederband im Schaufenster bewundert.

Die alte Dame und ihre unwillige Angestellte ignorierten mich und ließen mich für einen Augenblick an meiner Existenz zweifeln. Hatte ich das Geschäft eben wirklich betreten oder stand ich noch davor? Die Angestellte reichte mir widerwillig aber beflissen das Exemplar, auf das ich gedeutet hatte und ich konstatierte, dass es mich geben musste.

Als das Armband der Uhr sich bereits im ersten Versuch diese zu schließen vom Uhrgehäuse löste, fühlte ich mich seltsam befreit.

Hatte ich die Uhr doch tagelang beäugt, zeitweise gar verklärt, war um sie herumgestrichen, hatte Zwiesprache mit ihr gehalten, ihre Qualität ob des niedrigen Preises angezweifelt.

Jetzt, da so schnell geklärt war, dass sie nur aus schönem Schein bestanden hatte, war mir, als sei eine schwere Last von meinen Schultern genommen.

Die Alte machte mir keine Vorwürfe, ignorierte mich wie zuvor. Ganz so als hätte es mich nie gegeben. Als hätte ich diesen Laden nie betreten. Als hätte sie nichts anderes erwartet, als wisse sie Bescheid über Qualität und Beschaffenheit der Ware, die sie feilbot.

Als ich das Ladengeschäft verließ, läutete die Türglocke unerwartet melodisch.

Ein Glücksgefühl durchströmte mich, welches mich befremdete und zugleich trunken machte.

Ich hatte beinahe beiläufig etwas zerstört, was nicht das war, was es vorgegeben hatte zu sein.

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