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Ich war ein braves Kind, 9 Jahre alt und wir sind alle über den Marktplatz gegangen.
Ich habe ein weißes T-Shirt mit einem Bügelbild von Kermit dem Frosch an, um das ich raufen musste, weil mein Bruder es als Erster in der Schachtel Kellogs Smacks gefunden hat.
Wir gehen über die schmale Kopfsteinpflastergasse und ich kann für kurze Zeit nichts sehen, weil mich die Sonne blendet. Es riecht nach Fischen und salzigem Meer, es gibt Stände mit Baguette und Käse und ein kleines rothaariges Mädchen läuft hinter uns her, verfolgt uns, aber ohne jegliche Raffinesse, wirklich furchtbar dilettantisch. Danielle sagt, das sei, weil ich mit meinen kurzen Haaren aussähe, wie der schöne Laurent aus Nathalies Klasse. Danielle ruft ihr laut etwas zu, das Mädchen kichert und weg ist sie. Und ich hab mich geschämt, weil ich so eine Art Kind war.

Als wir nach Saint Tropez fahren, muss mein Papa Claude in dessen Tempo hinterherfahren, weil er selbst den Weg nicht kennt. Claude hat den ganzen Tag das Fenster runtergekurbelt, die Hand auf dem Autodach. Padumm padumm. Und wir hinterher.
Abends kommen wir zum Essen runter und da sitzt Claude mit krebsroter linker Seite und schmerzverzerrtem Gesicht und wird von Danielle verarztet. Mein Vater lächelt immer, wenn er die Geschichte erzählt.

Tränensturzbäche vor meinen Eltern, als ich mein Dirndl hergeben muss für so einen saudummen grün karierten französischen Fetzen. Mit Laure fotografiert werden, Arm in Arm. Süß die beiden Kleinen in ihren getauschten Kleidern. Die Tränen in den Augen und darf sie nicht rauslassen. Weil ich so eine Art Kind war.

Ich wusste, dass „das Pferd“ „Le cheval“ heißt und alle waren ganz aus dem Häuschen, weil ich außerdem ein kluges Kind war.
(Dies war mir jedoch nur bekannt, weil die Französischlehrerin Mademoiselle das zu Hanni und Nanni sagt, wegen Carlotta. Dass das das Einzige sei, was diese jemals auf Französisch würde sagen können. „le cheval“, „das Pferd“. Aber das geht jetzt zu weit.)

In Gap vor dem Fernseher habe ich Luis de Funes kennengelernt. Und Grenadine. Himmel, Grenadine! Himbeersirup der Götter! Zwei Fingerbreit und bitte ganz ganz wenig Wasser, mmmmmh…. Inspekteur Gadget. Immer noch hab ich einen Spot für Hundefutter im Ohr. Der wenig Sinn macht, weil ich den Text nicht verstanden hab. Frag mich in 40 Jahren und ich kann´s immer noch, trau ich mich wetten. Weil es so nah ist, dass ich Kind war. So viel näher als manchmal das jetzt. Alles was ich heute fühlen kann, wurde damals festgelegt. Ich bin schon jetzt eine alte Frau. Eine alte Frau, die immer Kind war.

„Ragout gout gout
le ragout de mon Foufou
je suis tout!“

uh uh.

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