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Israel also.

Frühmorgens sind wir mit dem Boot auf den See Genezareth gefahren, ich hatte Mangobäume vor dem Fenster und Maschinenpistolen neben meinem Kopf am Übergang von Betlehem nach Jerusalem.

 

Das Kibbuz ist nicht mehr im Trend. Ich denke an Aussteiger, des Laufstegs überdrüssige Models und Abiturienten, die sich dort in hellblauen Overalls bei der Ernte ablichten ließen. Sie haben sich gefunden und das Konzept ging verloren, weil die Menschen etwas Eigenes wollten, ein Jodeldiplom, einen Mercedes oder einfach einen eigenen Postkasten.

Ich habe in Bildern und Symboliken gedacht, bis ich fast im See ersoffen bin. Bis ich in sich beugenden Grashalmen die ganze Menschheit gesehen und wir darüber gelacht haben. Und dann haben wir genau dieses Bild trotzdem heimlich in uns aufgehängt.

Ich habe die berühmten arbeitslosen Vögel gesehen, die fröhlichen faulen Säcke. Ich habe Wasserpfeife mit den Beduinen geraucht und äußerlich cool getan obwohl mir innerlich ziemlich schlecht war. Ich habe auf den Berg der Seligpreisungen geblickt als Shibli, unser palästinensischer Führer sagte „auf zwei Uhr schaun“. Es war ja nie auf zwei Uhr. Nie war es auf zwei Uhr. Es war auf 11 oder 5. Manchmal auch auf 3. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Jesus nicht in Nazareth geboren worden ist und nicht mit Maria Magdalena verlobt war. Aber Shibli kennt Land und Leute und die Uhren gehen hier eben anders. 

Sicher hab ich mich immer gefühlt mit ihm. Obwohl er solch riesige Schlitze in den Ohren hatte. (Zitat Shibli: „Jetzt aber Spaß auf Seite.“)

Wir haben an unsere Zahnärztin gedacht. (Das Backlava, so klein und so gemein.) Wir waren in der Wüste und haben keine 4 Minuten gefastet. Wir waren wie Johannes am Jordan, wo die Luft Wellen geschlagen hat, vor Hoffnung und Freude.

 

 

(Badetag)

 

 

 

 

 

 

 

(Über den Jordan gehn, muahahahaha.)

Ich habe Kaffee mit Kardamom getrunken (das schmeckt anders) und Arrak (das schmeckt ganz anders und überhaupt nicht schön).

Ich hab im toten Meer gebadet, gebadet, weil Schwimmen, das kann man da nicht. Wenn man auf dem Bauch liegt, streckt man immer automatisch den Hintern in die Luft. Das ist ein hoffnungsloses Unterfangen. Da Schwimmen lernen zu müssen,  das stell ich mir très très difficile vor. Und dann noch das ganze Salz in den Augen.

(Aber wie sie gelacht hat. Die Frau, mit den leicht wahnsinnigen Augen. Sie konnte nicht schwimmen und lag wie ein Maikäfer auf dem Rücken. Gelacht und gelacht, ihr Mann hat sie um ihre eigene Achse gedreht, wieder und wieder. Er hat gestrahlt und so glücklich ausgesehen. Man konnte gar nicht anders, als mitlachen.)

Ich habe den Garten Gethsemane gesehen, mit seinen alten Olivenbäumen. Ich habe in der dunklen Kirche daneben gespürt, wie sie über mich gekrochen ist, die Nacht und ich konnte mich nicht dagegen wehren. Ich durfte die Lesung am Ölberg halten, an die ich mich schon während ich sie gelesen habe, nicht mehr erinnern konnte, so aufgeregt war ich.

Ich habe gesehen, wie sich die Vertreter der Glaubensrichtungen in der Grabeskirche Jesu gegenseitig keinen Zentimeter Platz gönnen, ich hab Steine auf dem Hirtenfeld geklaut. Und Toiletten, immer wieder Toiletten und Cafeteria und Waffen und Sonne.

Meine Blasenfüße in dem See, über den er gegangen ist vor 2000 Jahre. Ich musste so lachen. Der gleiche See, an dem sie ihre Fischernetze geflickt haben. Und als ich aufs Klo musste, bin ich übers Wasser ins Haus gegangen.

Dort sagt man Bet- lechem. Und Bet heißt Haus. Lechem heißt auf Arabisch Fleisch und auf Hebräisch Brot. Betlehem. Und das war in einer Höhle. Hier von wegen Stall. Again what learnt.

So viele Menschen um mich herum, so viele in mir. Alle Jesus. Was für Leute machen eine Pilgerreise. Was für Leute bin ich?

Der See mit den vielen Fischen (153, so um den Dreh), das Haus mit den Weinfässern, in denen erst Wasser war, Riesenteile. Petrusfisch und Avocado und Humus. Ganz viel Humus. Und Falafel. Immer wieder Falafel. Falafel isse die vegetarisch Opsion. Der Zauber, den er am Tollwood immer für mich hatte, nun Kichererbsenbrei vergangener Tage…

Männer Männer Männer, immer wieder Männer. Nur Männer. Apostel Apostel Apostel. Deshalb keine Frauen. Gottes Wille. Gottes WILLE. Im Namen Gottes. So viele Fragen. Nicht jeder kann sie hören. Viele wollen reden. Wollen etwas sagen. Dich störts nicht. Du bist ein Mann, Du verstehst das nicht. Lach nicht.

Der erste Papst ein Feigling, ein jüdisches Grab am Ölberg kostet eine halbe Million, dafür ist man dann quasi gleich vor Ort, das Jüngste Gericht, soll ja dann gleich ums Eck sein.

Was heißt „shalom?“ Friede. Und was heißt „El shalom?“ El Friede. Hahahahaha. Alles Fotografieren alles Fotografieren alles Fotografieren.

Wir waren wohl da. 

Wie still und friedlich war es im Kibbuz in Galiläa, wie hektisch, laut und wild ist Jerusalem. Zeit der Wende. Das Ende naht. Religiöse Fanatiker, Besserwisser, Suchende.

 

 

 

 

 

 

Kleine Jungs die Dollar Dollar rufen, Starbucks Betlehem, Klagemauer für Männer und Klagemäuerchen für Frauen, ich werde wütend, und immer und immer wieder werde ich wütend, Du bist ein Mann, Du verstehst das nicht. Lach nicht. Ich weiß, tief innen, Du genießt es. Ja, komm. Hör auf. Erzähl mir nix.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man sollte sie viel öfter aus den Tempeln schmeißen, wenn Sie „Cheese!!“ schreien. In den Arsch treten. Weil sie verdammt noch mal Respekt haben sollen, Kreuzkruzifix.

Alles so laut und fast schemenhaft nach der Stille Galiläas. 

Die stillen Männer vom See Genezareth, sein Schutzwall?

Seine Gang. 

Das Haus in dem er gegeißelt wurde, der Garten mit dem berühmtesten Hahn der Welt, die Via Dolorosa, die ganz anders war.So oft wie Jerusalem zerstört wurde, wer kann das schon noch so genau sagen.

Sie waren wohl da.

Die Sonne scheint. Es regnet. Und die Sonne scheint wieder.

Der Garten in Emmaus. Die, die den ganzen Tag ihr Heiligtum bewachen müssen, sehen böse und griesgrämig aus. Das kann also keinen Spaß machen.

Ob es leichter ist, einen Bezug zu Jesus herzustellen im heiligen Land? Leichter als in Rosenheim oder in Bremen? Fast glaub ichs. Die Stimmung, die Luft ist eine andere dort. Weicher. Voller. Fast laut und hart ist es hier. (Obwohl ich es nicht kannte, wie es ist, es unwirklich ist, die tägliche Möglichkeit von Krieg, Waffen und Terrorismus und daneben das Glauben, das strenge, das absolute. Das Verstehen ist schwer. Glauben heißt nicht wissen. Ich weiß. Das ich nichts weiß.)

Wir sind frei. Wir sind so frei. Wir haben so viel Freiheit.

So viel mehr haben wir. 

(Vielleicht ist das der Grund.)

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