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Plötzlich klebten wir an dieser Hauswand. Der ganze Verein.

Ich versuche, mich an diesen quälend heißen Julivormittag zu erinnern, doch es ist mir nicht mehr möglich, einen klaren Gedanken zu fassen.

Eine Welle heißer Erregung, die unsere Gruppe erfasste, unsere Herzen durchdrang und uns von den Blättern der alten Eiche fallen ließ. Ein unsichtbarer Sog zwang uns an den weißen Kalk des neu gebauten Einfamilienhauses.

Seitdem versuchten wir in die Ritzen dieses Hauses zu kriechen.

Die meisten stürzten in den Tod, sind erfroren, verhungert. Die nicht durch die Natur starben, starben an gebrochenem Herzen.

Imagemäßig war dieser Wandel kaum zu verkraften.

Wir sind als Glückskäfer bekannt. Menschen freuen sich, wenn sie uns sehen. Behutsam tragen sie uns in sichere Wiesen, zählen unsere Punkte, schätzen unser Alter. Zärtliche Reaktionen rufen wir hervor. Wohlwollende.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir uns diesen Menschen aufgedrängt haben. Damit war die uns eigene Exklusivität perdu.

Mistkäferkusar Willi hat einmal zu mir gesagt:

„Du musst doch Deinem Image hinterherleben Mädchen. Wie unerfreulich, wie anstrengend ist das denn? Ist der Ruf mal ruiniert….  Ich komme nur bei Sonne raus und dann funkele ich in allen Smaragdtönen. Ich schere mich nicht darum, ob man sich freut, wenn man mich sieht. Weil ich von vornherein bemüht bin, ihnen nicht zu Nahe zu kommen. Werde Mistkäfer, Mariechen. Das ist das Einzige was lohnt…“

Daran denke ich oft. Ich versuche die Sonnenstrahlen, die sich in den Nischen verirren einzufangen. Ich atme Eis. Wenn sich die Kälte einmal so im Innern eingenistet hat, wird einem nie mehr richtig warm.

Die Erinnerungen an den Sommer verblassen wie ein nie wahr gewesener Traum. Durchlässiger werden die Farben. Vergilben wie ein altes Buch, das niemand mehr liest und das nur noch in den Gedanken der Menschen existiert.

Ich möchte noch einmal den Frühling erleben. Erleben wie Tau schmeckt. Wie Regen riecht. Sehen wie Mohnblumen lachen.

Ich muss raus aus diesem Haus.

Eines Tages werden sie mich erwischen und ich werde nicht mehr weglaufen können vor ihnen.

Da, die Sonne scheint.

Sie bricht durch das Glas.

Wenn das Fenster offen ist, werde ich es versuchen.

Werde sehen, ob ich noch fliegen kann.

„..tis a consummation devoutly to be wished. To die. To sleep. To sleep. Perchance to dream…“

Schlafen. Vielleicht träumen.

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