Schlagwörter

,

Heute Morgen haben sie in drei Tassen schwarzem Kaffee gebadet. Die Gedanken der Menschen sind hellwach, frei und wild wie junge Hunde.

Die Gedanken haben die Menschen auf der Rolltreppe längst überholt.

Die Gedanken sind vorausgeflitzt und sitzen bereits in Meetings und Jour Fixes. (Bescheidene Gedanken befinden sich in Sitzungen.)

Die Gedanken der Menschen füllen bereits Kaffee in die Kaffeemaschine und scherzen mit der Sekretärin. (Aber nur mit der Blonden, mit dem großen Busen. Weil die Spaß versteht.)

Am oberen Ende der Rolltreppe liegt jemand.

Beine, an der Wand hochgelegt.

Grüne Strümpfe.

Grüne Strümpfe wie Shirley McLaine in „Das Mädchen Irma La Douce.“ Grüne Strümpfe und schwere Boots. 

Dunkle, weit aufgerissene Augen in einem blassen Gesicht. Ein Vorhang aus schwarzen, langen Haaren, wie ein Fächer ausgebreitet auf dem kalten Fliesenboden des U-Bahn-Untergeschoßes.

Neben der jungen Frau kniet ein älterer Herr mit dünnem Haar und hält ihre Hand.

Nachtblauer Anzug, hellblaue Seidenkrawatte. Seine Aktentasche neben sich.

Er spricht mit beruhigender Stimme zu ihr.

Ich kann nicht verstehen, was er sagt.

Wo alles fließt und schiebt und den eigenen Gedanken hinterher will.

Aber die Art wie sich sein Mund öffnet und schließt. Seine Augen sie anblicken. Seine Hemdsärmel hochgeschoben sind.

Der ist ein ruhiger Mann, denke ich.

Ich hoffe er ist in der Nähe, wenn ich das nächste Mal den Boden unter den Füßen verliere.

Wenn man Pumps und Herrenschuhe und Aktentaschen einfach vorbeigehen sieht, denke ich, wie beschissen ist das.

Oder sie sehen mich liegen und ich liege ihnen im Weg und sie steigen einfach über mich drüber.

Ich rufe nach meinen Gedanken. Bleibt bei mir.

Ein seltsames Paar.

Haben sehr gut zusammengepasst.

Der ältere Herr und das hingefallene Mädchen.

Advertisements