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Am Ende der letzten Aufführung gibt es diesen besonderen Applaus, den herzlichen.

Edi und ihr Freund Raul laufen auf die Bühne und überreichen jedem von uns eine dunkelrote Geschenktüte mit goldenem Schriftzug, „Hotel Sacher“. Für jeden eine kleine Sachertorte.

Spontan umarmen einige Schauspieler Edi.

Der Hauptdarsteller strahlt ins Publikum mit der ihm eigenen kandierten Kirschenkünstlichkeit.

Er zischt nur für uns hörbar:  „Nicht umarmen!! Es ist noch Applaus!“

 

Edi hat keine Email Adresse, sie weiß nicht, wie das funktioniert. Ich freue mich immer so, wenn das wirklich noch jemand sagt. Sie schreibt mir ihre Postadresse auf. Es ist ohnehin Zeit, einen richtigen Brief zu schreiben.

Sie wirkt gehetzt. Sie muss arbeiten, dafür wird sie bezahlt.

Ich weiß nicht, was ich ihr sagen soll. Wie ich ihr sagen soll, dass sie so etwas wie eine gute Fee für mich war. Dass zu sehen, wie sie jede Vorstellung an der Mauer gelehnt hat, mich beschützt hat. Ich habe Angst, mich wie eine kandierte Kirsche anzuhören. Alles was sie je zu mir gesagt hat, war klar wie Wasser.

Sie sagt, bis nächstes Jahr seien es noch 364 Tage. Sie nickt nach oben.               

„Und jeden Tag werde ich ein Zeichen für Dich machen.“

Ich gehe zu Fuß ins Tal. So wie ich es danach immer getan habe. Ich sehe die erleuchtete Innenstadt Salzburgs in der Dunkelheit strahlen. Ich sehe den Dom, unberührbar und fest. So erhaben. Sehe die Leinwand, auf der zur Festspielzeit Opern übertragen werden. Die Königin der Nacht.

2 Mädchen, die in der Vorstellung gewesen sind, klettern gerade auf einen Teil der Burgmauer, um eine bessere Aussicht zu haben. Sie sind gut gelaunt. So unbeschwert. Sie lachen mich an und rufen: „Servus!“

Es ist dunkel, aber ich höre an ihren Stimmen, dass sie lächeln.

„Grüss Euch, ned runterfallen, gell?!“

Sie lachen.

„Nein, nein. Wir sind das schon gewohnt, klettern und festhalten, wir sind vom Land!“

Ja, denke ich bei mir. Das bin ich auch.

Das Wasser des kleinen Baches am Berghang neben mir gluckst. Egal ob es Tag oder Nacht ist.

Ich gehe die lange Straße in Richtung Bräustüberl entlang. Immer wenn wir diese Straße gehen, erzählt mir mein Vater dieselbe Geschichte. Dass er in der 3. Klasse im Rahmen des Heimat- und Sachkundeunterrichts einen Ausflug gemacht hat. Und dass er seinen Brotzeitbeutel vergessen hat am Fluss. Jedes Mal ist die Stelle woanders. Aber die Straße ist auch wirklich sehr lang. Und die Verzweiflung des kleinen Jungens, der beim Spielen sein Wurstbrot liegen gelassen hat, ist jedes Mal herzerweichend. Und ich muss jedes Mal lachen.

Ich gehe Richtung Bahnhof.

Es ist schwül und kühl zugleich.

Ich ziehe meine Jacke aus.

Ich will es spüren.

Alles.

So wie es ist.

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