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Meine Mutter steht immer als erste auf. Sie zieht das Rollo hoch. Sie sieht, dass die Sonne scheint. Fröhlich dreht sie sich zu meinem Vater um: „Heute spielen wir oben.“

Oben oder unten ist von jeher eine entscheidende Frage im Leben, dieser Tage jedoch von besonderer Wichtigkeit. Oben ist die Festung Hohensalzburg. Unten der Stiegl-Keller. Mir ist das eine so recht wie das andere. Was mir nicht recht ist ist, dass ich eine Stunde früher da sein muß, wenn die aktuelle Witterung keinen eindeutigen Spielort vorgibt.

Punkt 17 Uhr ruft der Regisseur beim Flughafen Salzburg an, um die aktuelle Wetterprognose für die nächsten Stunden zu erhalten. Dann weiß er es. Ich nicht, weil der Regisseur kein Handy hat.

 

Um sich das Warten auf mich zu vertreiben, sind meine Eltern neulich in die Vorabendmesse der Klosterkirche in der Nähe des Salzburger Bräustüberls gegangen. Es waren sehr wenig Leute da und so wurde der Gottesdienst in die Sakristei verlegt. Der Benediktinermönch blickte sie beim Eintreten freundlich an:

 

„Sind Sie Gäste?“

„Ja, das sind wir“

„Ah, sind´s leicht auf Bsuch?“

 “Ähm nein, das Diandl zum Jedermann rübergfahren“

WIE AUS DER PISTOLE GESCHOSSEN: „Spuins heid oben oda untn?“

 

Wenn der Regen bis zu einer bestimmten Stelle einsetzt, wird das ganze Stück samt Bühnenbild und Requisiten eingepackt und in den Stiegl-Keller verfrachtet. Ein Riesenaufwand. Scharf ist da keiner drauf.

Den Berg runterhetzen, alles wieder aufbauen, ohne Zusammenhang weiterspielen, für die letzten 10 Minuten, die noch verbleiben vom Stück.

Die Bühne ist feucht, weil es tagsüber geregnet hat. 

Es heißt, wenn man auf der Bühne sehr glaubwürdig ist, dann liegt sehr viel von der eigenen Persönlichkeit in der Rolle. Meine Figur ist genau so tollpatschig wie ich. 3 Weingläser. Plimm. Runtergefegt.

Ich spreche die letzten Worte des Stücks. Zusammen mit diesen Worten, sehe ich die ersten, dünnen Regenfäden gegen das Scheinwerferlicht. Der Regen wird schnell heftiger. Die Leute bleiben sitzen und applaudieren.

 

Ich gehe durch den strömenden Regen nach Hause. Ich gehe auf der Strasse, die durch den Wald führt, hinter dem nach 2 km das Haus meiner Eltern liegt. Ein Linienbus fährt an mir vorbei. Er bleibt stehn, die Tür geht auf. Der Busfahrer ruft mir zu: „Steig ei, werst ja ganz nass.“ Er hat mich an der Kreuzung, 20 m vor dem Haus, aussteigen lassen. 

Edi hat mir erzählt, dass sie einmal zu dem Konzert eines Liedermachers gefahren ist.  Der rumänische Sänger kommt aus der gleichen Stadt in der sie geboren ist. Zum Konzert musste sie aber trotzdem 500 km fahren.

Es fand auf einem großen Platz statt, ein paar Hundert Menschen als Publikum. Als das Konzert gerade begonnen hatte, setzte plötzlich ein prasselnder Regen ein. 

Der  Sänger hat zu den Menschen gesagt, kommt alle auf die Bühne, die ist überdacht.

Er selbst hat sich vor das Publikum in den Regen gestellt und über 2 Stunden gespielt.

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