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Normalerweise machen mich flitzeschnelle Wechsel von Perspektiven und Zeiten nervös, hier nicht.
Wenn man zu sehr fühlen will, sich zu sehr nach dem perfekten sehnt. Mehr einem Ideal nachlebt, die Menschen, die man liebt, nicht mehr wirklich sieht. Wie man mit dem Schönen umgeht, das man eigentlich beschützen soll. Ungesagtes das ganz tief in nachklingt in mir.

Rena und Anna sind Freundinnen. Rena, die patente, die im Leben stehende, Anna, die zerbrechliche, die körperfeindliche. Anna heiratet und zieht nach Amerika zu ihrem Mann, der dort als Dozent an einer Universität arbeitet. Rena und Anna halten losen Kontakt, durch sporadische Besuche und Postkarten.

Anna wendet sich zunehmend ab von Rena, unterstellt ihr, dass diese die Art  von Liebe, die sie mit ihrem Mann verbindet, nicht kennt. Ein von Rena gedankenlos geschriebenes Miss statt Mrs. in der Adresse nimmt Anna ihr sehr übel und führt damit endgültig den Bruch herbei.

Spürt Anna unbewusst, ihre Realität könnte Renas klarem, einfachen Blick nicht standhalten, zu einer Desillusionierung führen, die sie zwingen würde zu sehen was die Substanz ihrer Beziehung zu Reiko ist?

Reiko liebt Anna als Teil einer russischen Babushka. Das Püppchen im Kern, von der alle anderen Teile nur Abbilder sind, ist seine erste Frau, die an Krebs verstorbene Amy.

War der Lebenstraum nicht erfüllbar, weil Amy gestorben ist, die Requisiten stehen noch, die Zweitbesetzung tritt auf. Der gleiche Typ. Gegen den Typ besetzen hieße, den Menschen sehen, nicht aufgrund von Äußerlichkeiten auf Charaktereigenschaften schließen.

Als Anna Reiko das passende Kind zu Haus, Pool und Garten nicht gebären kann, fällt sie in das Loch das sie sich selbst gegraben hat. Die Sehnsucht danach, um ihrer selbst willen geliebt zu werden, bleibt. Hinzu kommt die Ernüchterung, dass es eben doch nicht reicht, nur da zu sein. Man muss auch in der Lage sein, den anderen glücklich zu machen. Das geben, was der andere sich unter Glück vorstellt.

Hätte Reiko sie nur einmal in den Arm genommen und ihr gesagt, er liebe sie egal ob mit oder ohne Kind.

Anna hat sich aufgegeben, um in Reikos Leben zu passen. Sie hat sich in ein Bild eingefügt, in dem ein einziges Puzzleteil gefehlt hat. Mit Reikos Hilfe hat sie sich gewaltsam in diese Lücke gepresst, die Ecken sind abgebrochen. Das Teilchen passt nur auf den ersten Blick, nicht, wenn man genauer hinsieht.

Renannas Wiese. Ein Ort, an dem Anna und Rena viele gemeinsame Stunden ihrer Kindheit verbracht haben, der Name, zusammengesetzt aus den Vornamen der Mädchen. Dort hatten sie Wimpern aus Gras, Träume aus Wolken und Liebe war etwas von dem man träumen konnte. Als Anna noch einmal nach Deutschland zurückkehrt, findet sie Renannas Wiese nicht mehr, alles hat sich dort verändert. Annas Großmutter ist ihr Symbol für bedingungslose, annehmende  Liebe. Nach dem Tod ihrer Großmutter klammert sie sich an Reiko, der ihr nun diese Daseinsberechtigung geben soll, die sie sich selbst nicht geben kann.

Wirkliche Liebe braucht keine Rückbestätigung von aussen. Reiko und Anna benutzen Rena genau dafür, beide zu unterschiedlichen Zeiten. Anna, um sich zu distanzieren von Rena, dieser vorzuwerfen, diese Art von Liebe nicht begreifen können, um eben diese Liebe dadurch zu überhöhen. Reiko, um im Nachhinein Absolution für sein Verhalten von Rena zu bekommen.

Nach Annas Tod sucht Reiko den Kontakt zu Rena, er fordert ihn geradezu ein. Er schickt ihr einen Liebesbrief Annas, wie um zu beweisen, Anna sei glücklich gewesen. Als Rena ihm diese Illusion nimmt, bricht er den Kontakt zu ihr abrupt ab. Sie ist für ihn eine „dieser schrecklichen Frauen“, die immer Recht haben müssen. Nicht wie seine Anna, zart und unschuldig.

Bevor Anna als Pünktchen im Meer verschwindet, findet sie sich wieder. Reiko hat sie von Anfang an Ann genannt. Sie unterschreibt ihren Abschiedsbrief mit dem Namen, auf den sie getauft worden ist.

 Anna

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