Ich öffne die schwere Holztür, die in den Boden des Kellers eingelassen ist. Ich steige die kalten Steinstufen hinunter. Wenn es Sommer ist, sind sie kühl. Wenn es Winter ist, haben sie eine Fußbodenheizung. Ich kann die Temperatur den aktuellen Wetterverhältnissen anpassen.

Ich gehe durch den unterirdischen Gang, der am Fuße der Treppe beginnt. Ich gehe genau so lange wie ich will. Wenn ich beschließe da zu sein, steht da eine Telefonzelle. Ich öffne die Tür und wähle meine Geheimclubnummer. Die Telefonzelle wird zum Aufzug und fährt ruckelnd nach oben. Ich öffne die Tür und stehe direkt auf der Bühne im Theater.

Keine Getue, keine Dramen, kein Gerede. Nur das machen, was schön ist, Spielen. Und das Beste ist, es ist ein tragbarer Gang. Ich kann ihn mitnehmen, wohin ich will.

 

Nach dem Auftritt klebt das rasch übergezogene Hemd an meinem schweißnassen Rücken. Die wasserfeste Wimperntusche hat Pandaaugen gemalt. Ich habe Durst. Ich bin müde. Keine Träume sind mehr in mir.

Die Menschen, an denen ich vorbeigehe, sind wohlfrisiert. Sie sind angezogen wie Königskinder auf dem Weg zum Ball und sie riechen bestimmt auch besser als ich. Da sind so viele Leute, vorbei am Domplatz und der Oper. Salzburg summt eine Melodie. Salzburg ist ein Bienenstock. Salzburg will sich feiern. Ich möchte spielen, dass ich bin wie sie. Ein dunkelrotes Kleid und eine Handvoll Sterntaler im hochgesteckten Haar.

Ich sitze in Jeans und ausgelatschten Turnschuhen am Pferdebrunnen. Dankbar nur auf der Bühne sein zu  müssen, nicht davor und nicht dahinter.

 

Bei der Premierenfeier sitzt Edi nicht an einem Tisch mit mir. Als sie aufsteht und geht, winke ich ihr. Sie zwinkert mir zu und macht mit dem Zeigefinger und dem Daumen im Halbkreis das „exzellent“ Zeichen. Sie hat vor der Aufführung zu mir gesagt, „Das ganze Stück über wird eine Sonne in Dir scheinen, meine Kleine.“ Die letzten Strahlen leuchten aus meinen Augen, als ich sie anlächle.

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