Ich habe eine Monatskarte für die Bahn die zur Hohensalzburg hochfährt. Die Schlange der anstehenden Touristen reicht fast bis zum Domplatz. Ich muss und darf an Ihnen vorbeigehn, um pünktlich zum Probenbeginn oben zu sein. (Ich könnte mich natürlich auch eine Stunde vorher anstellen. Ha ha.)

Ich versuche freundlich und sehr entschlossen auszusehen. Die Entschlossenheit ist der Schlüssel zum Erfolg. Der Gang forsch, die Haltung aufrecht, der Blick nach vorn auf das Ziel, das Drehkreuz gerichtet.

Ich hasse es. Besonders schlimm ist es, wenn ich nicht genügend auf das Ziel  meiner Mission fokussiert bin und spüre, dass die anderen Leute mich hassen, wenn ich an Ihnen vorbeigehe und den Ausweis in die Höhe halte, wie eine von der Kripo.

Wie sie jeden hassen, der mehr bekommt als sie. Weil sie neidisch sind, wenn es jemand einfacher hat als sie. Ich hasse es, weil ich bin wie sie.

Weil ich nur dann ein guter Mensch bin, wenn ich selbst satt bin. Weil ich weiß, was ich denken würde, wenn ich in dieser Schlange stehen würde und ich käme als ich vorbei und würde gschaftig meinen Ausweis hochhalten. Wie relativ fast jeder Standpunkt im Leben ist. Weil er davon abhängt, ob man in einer Schlange warten muss oder einen Ausweis für den Express-Schalter hat.

„Ich trete nicht auf der linken Seite auf, mein ganzes Leben lang bin ich immer von rechts aufgetreten, nein nein nein, auf jeder Bühne, immer nur von rechts, weil, die rechte Seite ist meine Spielseite, LINKS spiele ICH nicht.“

In der Schauspielschule haben wir gelernt: auf der Bühne wird ein König erst zum König, durch das Verhalten seiner Mitspieler ihm gegenüber

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