Der Kater zieht als betrunkener Leichtmatrose auf Landurlaub durchs Haus. Er musste sich nach seinen nächtlichen Exzessen im Flur übergeben. Barfuß kann sehr kalt sein. Alle Uhren haben unterschiedliche Zeiten. Die Uhr im Bad erschreckt mich, die Uhr auf der Telefonanlage beruhigt mich, die Uhr in der Küche jagt mir das Blut in die Ohren. Die digitale Anzeige der Sparkassenuhr ziert sich und provoziert mich mit der Temperaturanzeige, ich muss langsamer radeln, bis sie sich herablässt auf ihre Version der aktuellen Zeit umzuspringen. Langsam, langsamer. Sie ist die grausamste. Sie ist elektronisch. Und deshalb meint sie, sie ist weiß es am besten. Ihre Laune bestimmt alles. Zeigt sie noch 6 Minuten, hach was ist der Tau schön auf den Gräsern. Noch 5 Minuten, ja, so muss es sein, einmal nicht die Bahnsteintreppe hochrasen und dabei in das emotionslose Gesicht des Schaffners hineinflehen, schweißgebadet hineinfallen in die sich gerade schliessende Tür. Noch 4 Minuten, ich schaffs wenn ich jetzt konsequent durchziehe. Noch 3 Minuten, rasen, hineinflehen, hineinfallen. Absperren nicht mehr drin. Die Uhr am SBahn Gleis, schräg unten vom Fahrradständer aus, Du hast noch 2 Minuten. Relax. Absperren noch drin.

Wenn man in Salzburg am Hbf Frankfurter mit Senf und Gebäck kauft, brauchst nicht glauben, dass Du da einen Krapfen bekommst.

Wenn Du ein Bayernticket hast, das ab 9 Uhr gültig ist, brauchst nicht glauben, dass Du da um 857 schon damit fahren darfst. Aber darfst schon glauben, dass Du Glück haben kannst. Darfst schon glauben, wenn Du ein einziges Mal nicht bei denen dabei bist, die sich lautstark auf sinnlose Diskussionen einlassen, dass Du Glück haben kannst. Dass sie gesehen hat, wann Du eingestiegen bist. Dass sie Dich leise fragt, an deinem Ohr vorbei, wann Du genau eingestiegen bist. Dass Du sagst, 9:01 und sie Dein Ticket nimmt, es abknippst und weitergeht. Darfst glauben, dass das passieren kann.

Als er 12 war, haben meine Eltern bei ihm und seiner Mutter gewohnt, zur Untermiete. Seiner Familie gehört eine alte Mühle, er selbst hat Müller gelernt. Meine Eltern haben Abends öfter gegrillt. Grillen war in den 70 igern noch nichts alltägliches. Seine Mutter hat zu meinen Eltern gesagt, sie würde das für ihr Leben gern mal ausprobieren, das mit dem Grillen, ob sie kommen dürfen, er und sie. Also haben sie in dem alten, verwilderten Garten auf dem wahrscheinlich einfachsten Holzkohlegrill der Welt, ihre ersten Würstchen gegrillt.

Heute hat mein Vater mich vom Bahnhof abgeholt. Zwei schwere BMWs, der schwarze mit Berliner Kennzeichen, der weisse mit Münchner haben seinen Stammparkplatz gleich bei den Gleisen blockiert. Der Zug aus München Richtung Salzburg trifft vor meinem ein. Er steigt aus, inmitten eines Pulks von Leuten, er geht auf meinen Vater zu, „Ja der Hans, griassdi, was machst Du denn da?“ „Ja der Peter, griassdi, fahrst du jetzt mit deine eigenen Verkehrsmittel? I hois Diandl ab, vom Jedermann, sie kimmt aus Soizburg. Und du?“ “ I muss um 6e a Rede im Obersalzberg hoidn, is scho viertel vor, pressiert, machs guad nachad“

Er geht vorbei, einer seiner Begleiter öffnet ihm die Tür. Er steigt ein, seine Bodyguards mit ihm, Blinklicht aufs Dach und ab durch die Mitte. Mit 13 erst gegrillt. Und doch Verkehrsminister geworden.

Advertisements